Zur Rathauserweiterung und zum geplanten Abriss des Saalbaus

Im Rat der Stadt am 4.7.2018 außerte sich DKP-Ratsherr Michael Gerber zur Rathauserweiterung und zum geplanten Abriss des Saalbaus

Die Alternativenuntersuchung zur Rathauserweiterung der „DKC Kommunalberatung GmbH“ erfolgte „über eine monetäre Bewertung in Form einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung mit Lebenszyklusbetrachtung in Kombination mit einer Nutzwertanalyse“- so heißt es in dem Gutachten zum methodischen Vorgehen. Eine städtebauliche Entwicklung, die darauf abzielt, die Erhaltung und Wertschätzung prägender Gebäude für das Gesicht und die Entwicklung einer Stadt zu erhalten, kann nicht mit einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und Nutzwertanalyse abgebildet werden.

Würde der gleiche Maßstab an die Renovierung des historischen Rathauses angelegt, wäre die Schlussfolgerung der Gutachter: Abriss und Neubau eines Rathauses wären für das Vermögen der Stadt günstiger. Es wurde bewusst, auch mit Zustimmung der DKP, anders entschieden. Wir müssen  stolz auch auf andere prägende Gebäude der Stadtentwicklung sein. Dies vermissen wir bei den anderen Ratsparteien in Bezug auf den städtischen Saalbau.

Ich möchte an die Entstehungsgeschichte des Saalbaus erinnern. Frido Wagner, Leiter des Planungsstabes beim damaligen NRW Ministerpräsidenten Heinz Kühn „hatte die Stadt Bottrop in einem Gutachten zur kommunalen Neugliederung 1975 als nicht voll funktionsfähiges Mittelzentrum bezeichnet und diese Einstufung u. a. mit einem fehlenden Saalbau begründet. Die Landesregierung hatte daraus den Schluss gezogen, Bottrop könne nicht allein selbstständig bleiben. Dem Rat der Stadt saß dieser Schuss noch in den Knochen. Er verfolgte das Ziel diese Scharte möglichst bald auszugleichen.“ Dies schildert der ehemalige Technische Beigeordnete Norbert Wallmann in seiner Veröffentlichung „50 Jahre Stadtentwicklung Bottrop von 1950 – 2000“. Bekanntlich drohte damals die Eingliederung von Bottrop nach Essen.

Der Saalbau „war politisch gewollt und ein Angebot an die Bürger, ein bewusster Beitrag zur Selbständigkeit der Stadt. Man muss den Saalbau auch als einen besonderen Teil der Daseinsfürsorge für die Bürger einer Stadt ansehen“, unterstreicht Norbert Wallmann. Die Architektur des Saalbaus hat einen historisch kulturellen Wert. Errichtet vom damaligen Stadtbaumeister Bernhard Küppers, wurde mit dem Saalbau die Bauhaustradition fortgesetzt, wie auch im Museum Quadrat. Mit geringem Aufwand kann der große Saal so gestaltet werden, dass er künftig auch vielseitig nutzbar ist. Ohne den Saalbau verliert Bottrop seine zentrale bürgerschaftliche Einrichtung für unterschiedliche Kulturveranstaltungen, Feste, Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen.

Für eine Stadtgesellschaft gibt es noch andere Werte, als die Vermögensaufstellung einer städtischen Bilanz, die sich in Euro darstellen lässt. Es ist beschämend, dass die damaligen Ratsmitglieder einen größeren Weitblick hatten als die heutigen Ratsmitglieder, die den Saalbau unter dem selbst verschuldeten Druck des Spardiktats „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ opfern. Der Saalbau hinterlässt eine Lücke, die auch mit der Nutzung des Lichthofes der Berufsschule oder der bisherigen Diskothek Prisma nicht geschlossen werden kann.

Natürlich gibt es neben dem RAG-Gebäude auch andere Alternativen zu einem Abriss des Saalbaus, um dort ein Rathaus II zu errichten. Diese Alternativen wurden bewusst nie geprüft, weil SPD; CDU; Grüne, ÖDP und FDP im Rat der Stadt sich auf einem Abriss des Saalbaus und der Vermarktung des städtischen Filetgrundstückes festgelegt haben. Bereits in den siebziger Jahren gab es Pläne für einen vierstöckigen Anbau an das Rathaus als Lückenschluss zwischen Rathaus und dem Saalbau. Auch der Parkplatz westlich des Gleiwitzer Platzes, ursprünglich als ein Standort für ein Theater gedacht, bietet sich als eine Lösung für ein Rathaus II an.

Die DKP lehnt einen Abriss des Saalbaus und die Errichtung eines städtischen Verwaltungsgebäudes dort ab. Für diese Haltung erhalten wir sehr viel Zustimmung in der Bevölkerung.

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