Lärmaktionsplan: Ungenügend!

Kürzlich hat die Stadt Bottrop den Entwurf des „Lärmaktionsplans“ veröffentlicht. Die DKP-Ratsgruppe hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht:

Lärm ist inzwischen eine der häufigsten Ursachen für Stress und Erkrankungen beim Menschen. Die Folgen sind Herzkreislauferkrankungen, Allergien, Bluthochdruck und bei Kindern Beeinträchtigung der Lernfähigkeit und der Gedächtnisfunktion. Diese gesundheitlichen Risiken treten auch bei Belastungen unterhalb des gesundheitlichen Schwellenwertes auf. Der gemittelte Dauerschallpegel ist keine geeignete Messgröße für die gesundheitliche Gefährdung beim Menschen, besonders nachts kommt es auf die einzelnen Lärmereignisse an. Aktuell wird der Lärmaktionsplan für die Stadt Bottrop in den Bezirksvertretungen und am 24. April im Rat der Stadt beraten.

Tagsüber sind in Bottrop 64.547 Menschen (55 %) einem Lärmpegel ausgesetzt, der lauter ist als 55dB(A) und nachts 38.610 Menschen (33%) einem Lärmpegel von mehr als 50 dB(A). Über dem gesundheitlichen Schwellenwert von tags mehr als 65 dB(A) und nachts über 55 dB(A) sind 16.500 Menschen (14%) betroffen. Dies sind besorgniserregende Zahlen. Angesichts dieser starken gesundheitlichen Gefahren für die Menschen bleiben die im Lärmaktionsplan vorgeschlagenen Maßnahmen weit hinter den Erfordernissen zurück.

Seit über 30 Jahren wird z.B. der Lärmschutz an der B224 mit dem Hinweis auf die geplante A52 abgelehnt. Diesem Muster folgt auch der aktuelle Lärmaktionsplan. Dabei ist völlig ungewiss, ob die A52 jemals realisiert wird. Selbst nach der Planung des Bundesverkehrswegeplans erfolgt eine Fertigstellung erst 2030 oder später. Damit sollen die Anwohner weitere Jahrzehnte ohne Lärmschutz hingehalten werden. Die DKP fordert, dass möglichst rasch ein aktiver Lärmschutz an der B224 errichtet wird.

Ebenso an der A2, wo seit vielen Jahren die Anwohner sich für aktiven Lärmschutz einsetzen, sowie eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 100 km/h fordern. Die Stadtverwaltung ist bisher nicht in der Lage, dies gegenüber „Straßen NRW“ sowie der Bezirksregierung Münster durchzusetzen.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen für den innerstädtischen Verkehr mit einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 40 bzw. 30 km/h sind viel zu inkonsequent und müssen nach Meinung der DKP massiv ausgeweitet werden. Außerdem ist in Wohngebieten konsequent ein Verbot für LKWs durchzusetzen. Der Vorrang für den individuellen  PKW-Verkehr muss beendet werden zugunsten einer gleichen Gewichtung von Auto- und Fahrradverkehr. Der ÖPNV muss stärker ausgebaut und zukünftig kostenfrei sein. Damit kann der PKW-Verkehr insgesamt verringert werden und damit zur Lärmreduzierung beitragen.

Trotz aktiven Lärmschutz an den Bundesbahnstrecken in Vonderort und in der Boy klagen die Anwohner weiterhin über sehr hohe Lärmbelastungen. Die errichteten Lärmschutzwände erweisen sich als viel zu niedrig, um die Lärmbelastungen durch den Schienenverkehr wirksam zu reduzieren.

Nicht nachvollziehbar ist die Tatsache, dass der Fluglärm des Flugplatzes Schwarze Heide für die Anwohner in Kirchhellen in den Lärmaktionsplan weiterhin nicht berücksichtigt wird.

Die Vorschläge und Einwände aus der Bevölkerung werden insgesamt nur zu einem äußerst geringen Teil berücksichtigt. Damit bestätigt sich der Eindruck, dass auf die Bürgerbeteiligung von Seiten der Stadt Bottrop beim Lärmaktionsplan wenig Wert gelegt wird.

DKP-Ratsherr Michael Gerber: „Der Lärmaktionsplan wird nicht entscheidend die Lärmbelastung für die Menschen reduzieren. Allein mit Kosmetik kann der Lärm nicht wirksam verringert werden. Bottrop vergibt mit dem Lärmaktionsplan eine Chance, sich konsequent für Lärmvermeidung und sich damit für die Gesundheit der Menschen einzusetzen.“

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