Interview mit Michael Gerber

»Das war eine Strafaktion gegenüber der Belegschaft« – Interview mit Michael Gerber in der Tageszeitung junge welt

Der Verwaltungsrat der städtischen Entsorgungsfirma »Best« aus Bottrop, dessen Mitglied Sie selbst sind, hat Anfang dieses Monats beschlossen, juristische Schritte gegen Sie einzuleiten. Warum?

Ich habe nach Auffassung des Verwaltungsrates gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen. So habe ich bekanntgemacht, dass die tarifliche Erfolgsbeteiligung für die Beschäftigten um ein Drittel gekürzt wurde. Dies war eine offensichtliche Strafaktion gegenüber der Belegschaft. Die Bonuszahlungen für die beiden Vorstandsmitglieder blieben mit 7.000 bzw. 6.500 Euro dagegen unangetastet.Auf welche Missstände in der Firma haben Sie ansonsten öffentlich hingewiesen?

In der »Best« gibt es seit längerem starke Konflikte zwischen der Belegschaft und dem Personalrat auf der einen und dem Vorstand auf der anderen Seite. Der Vorstand drangsaliert die Belegschaft und pflegt einen Umgangston gegenüber den Beschäftigten, der an einen Kasernenhof erinnert. Aus Protest gegen die Personalführung blieb die Belegschaft des Recyclinghofes der Einweihung eines neuen Funktionsgebäudes fern. Die große Unzufriedenheit und die erhöhte Arbeitsbelastung zeigen sich auch in einem extrem hohen Krankenstand. Ich habe öffentlich gefordert, den Vorstand der »Best« wegen des rüden Umgangs mit der Belegschaft zu entlassen.

Bereits im September waren die Mitglieder des Verwaltungsrates, der Vorstand und der Personalrat zu einem runden Tisch zusammengekommen. Als einziges stimmberechtigtes Mitglied im Verwaltungsrat wurden Sie als Vertreter der DKP dazu nicht eingeladen. Mit welcher Begründung?

Der Personalrat sollte intern unter Druck gesetzt werden. Ich war jahrelang Betriebsrat bei Siemens und bin als konsequenter Gewerkschafter bekannt. Einen solchen kritischen Geist wollte der Vorstand nicht dabei haben. Daher wurde ich auf Beschluss des Vorstandes nicht zu diesem Treffen eingeladen. Von seiten anderer Ratsparteien wurde dieser Skandal nicht kritisiert. Ich habe dies sogleich öffentlich gemacht. Unter welchem Druck der Personalrat steht, wird auch daran deutlich, dass er innerhalb weniger Jahre mehrfach neu besetzt werden musste.

Über die Berichte von Kollegen erhalten wir ein genaues Stimmungsbild aus dem Betrieb. Je mehr Öffentlichkeit hergestellt wird, desto besser kann eine Belegschaft geschützt werden. Selbst der Personalrat der Stadtverwaltung hat den Vorstand der »Best« öffentlich kritisiert.

Wie können Sie als Mitglied im Verwaltungsrat Positionen des Personalrates unterstützen?

Die Mitglieder des Personalrates nehmen als Gäste an den Sitzungen des Verwaltungsrates teil. Durch unsere Kritik an der Gesundheitsvorsorge, zu geringer Personalstärke und den Bestrebungen, den Sonnabend zum Regelarbeitstag zu machen, stärken wir dem Personalrat den Rücken. Ebenso durch Ablehnung des geplanten Ident-Systems: Mit einem Chip an den Mülltonnen droht eine lückenlose Überwachung der Beschäftigten. Am Widerstand des Personalrates ist die Einführung bisher gescheitert.

Also lassen Sie sich auch von den angekündigten juristischen Schritten gegen Ihre Person nicht einschüchtern?

Als Ratsherr und Mitglied des Verwaltungsrates der »Best« verstehe ich mich als Interessenvertreter der Belegschaft sowie der kleinen Leute in Bottrop. Die Ausgliederung städtischer Dienststellen dient nur dazu, die kommunale Kontrolle und Demokratie möglichst außer Kraft zu setzen. Nicht mehr der Rat der Stadt, sondern ein kleiner Verwaltungsrat entscheidet unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die hohen Sitzungsgelder sorgen bei den anderen Ratsparteien für die gewünschte Anpassung. Daher ist die Schaffung von Transparenz ein Grundsatz kommunistischer Kommunalpolitik. Dabei lasse ich mich durch juristische Schritte nicht abschrecken.

Interview: Markus Bernhardt

1 Antwort
  1. Silvia Stürmer
    Silvia Stürmer says:

    Guten Tag,
    ich bin zwar nicht politisch aktiv, möchte mich aber bei Ihnen bedanken, dass Sie sich gegen die Nachverdichtung am Trappenhof einsetzen. Nachverdichtung hat in der Rheinbaben-siedlung enorm stattgefunden, ohne Berücksichtigung der Ratschläge des LWL in Puncto Denkmalschutz und Anpassung der Gebäude an die vorhandenen. Wir selbst wohnen in der Winkelsheide(Nachbebauung), nehmen jedoch verstärkt wahr, dass die Idylle hier im Eigen immer mehr zerstört wird. Eigentlich sollte die Rheinbabensiedlung Gartenstadtcharakter weiterhin darstellen. Dass man jedoch dazu übergeht, ein parkähnliches Grundstück bebauen zu wollen, ist einfach ignorant. Man könnte doch die vorhandenen Wohnungen am Trappenhof barrierefrei nachrüsten, da diese sowie in keinem guten Zustand sind – auch optisch nicht an die Umgebung angepasst renoviert wurden. Daher hoffe ich, dass die kleine Idylle am Trappenhof erhalten bleibt. Mit freundlichen Grüßen – Silvia Stürmer

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