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Interview mit Michael Gerber für „LebensArt“
4. August 2020

Wer es nicht weiß: Die Zeitschrift „LebensArt“ erscheint in Kirchhellen, sie nimmt auch Stellung zu Problemen vor Ort. Anlässlich der Kommunalwahl hat die Redaktion auch DKP-Kandidat Michael interviewt. Hier das Interview vorab:

Sie kandidieren als Oberbürgermeister – Was macht Sie als Person aus? Wofür stehen Sie? Was liegt Ihnen in und für Bottrop am Herzen?

Michael Gerber: DKP im Rat – damit man draußen sieht was drinnen geschieht. Ich stehe für Transparenz bei politischen Entscheidungen. Als Mitglied des Verwaltungsrates der BEST habe ich öffentlich gemacht, dass die Belegschaft mit einer Kürzung der Erfolgsprämie „bestraft“ wurde, der Verwaltungsvorstand jedoch dicke Bonuszahlungen erhalten hat. Dies habe ich öffentlich gemacht und wurde angeklagt wegen Geheimnisverrats. Vor Gericht wurde ich freigesprochen. Der Erfolg war, dass im nächsten Jahr die Kürzung für die Belegschaft zurückgenommen wurde. Auch der Rat der Stadt hatte zweimal beschlossen, gegen mich vorzugehen, weil ich unbequeme Dinge öffentlich gemacht habe. Auch ein Oberbürgermeister muss gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern eine transparente Politik betreiben.

Was sind Ihrer Meinung nach – und ganz allgemein gesprochen – die drei größten Baustellen, die Bottrop zu bewältigen hat? Was ist Ihr grober Plan, die Dinge anzugehen?

Michael Gerber: Bottrop muss sozialer werden. Menschen, die von Hartz IV leben müssen, sind weitgehend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Immer mehr Kinder müssen in Armut aufwachsen. In Corona-Zeiten wird dies noch dramatisch verstärkt. Hier brauchen wir mehr Angebote, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen.

Es muss mehr preiswerter Wohnraum geschaffen werden, wir brauchen ein kommunales Wohnungsbauprogramm. Die Miete darf nicht mehr als 30 Prozent des Familieneinkommens ausmachen.

Bildung muss kostenfrei sein. Kitas sind frühkindliche Bildungseinrichtungen und müssen beitragsfrei sein, ebenso die Offenen Ganztagsgrundschulen. Die Plätze für Unter-Dreijährige in den Kitas müssen verdoppelt werden.

Thema Klimaschutz: Was muss Bottrop in Sachen Klimaschutz noch aufholen und wie möchten Sie das in den kommenden Jahren als Oberbürgermeister bewältigen?

Michael Gerber: Die Bewegung „Fridays for Future“ hat viele Denkanstöße geliefert. Ich wünsche mir, dass deren Engagement erhalten bleibt und sie auch künftig Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Dem Beschluss zum Klimanotstand müssen endlich Konsequenzen im praktischen Handeln der Politik folgen. Dem widerspricht zum Beispiel der geplante Bau einer Transitautobahn A 52 mitten durch das Ruhrgebiet. Das erzeugt noch mehr LKW-Verkehr.

Thema ÖPNV: Verspätungen und Ausfälle sind – und das nicht nur in Bottrop – kein Geheimnis. Gibt es einen Plan, diese Probleme zu lösen und falls ja, was soll sich in Bottrop ändern? Wird es bessere Anbindungen für Bezirke außerhalb des Zentrums geben?

Michael Gerber: Der ÖPNV muss konsequent ausgebaut und kostenfrei werden. Wir brauchen tagsüber einen 10-Minuten-Takt, auch in den Vororten und in Kirchhellen. Außerhalb von Stoßzeiten können hier kleinere Busgrößen eingesetzt werden. Das Land NRW muss sich stärker an den Kosten des ÖPNV beteiligen.

Thema Flächenversiegelung: Sollen, besonders in den ländlicheren Bezirken, noch weitere Flächen versiegelt werden? Wie soll das Verhältnis von Grün zu Wohnraum am Ende in Bottrop aussehen?

Michael Gerber: Sowohl die innerstädtischen Grünflächen müssen erhalten werden als auch in den in Kirchhellen. Der Flächenfraß muss gestoppt werden. Die DKP lehnt in Kirchhellen eine weitere Bebauung westlich der Bottroper Straße ab, ebenso eine weitere Bebauung in Feldhausen mit dem geplanten Baugebiet Am Kuhberg/Hohes Feld. In Grafenwald muss das bisherige RAG-Gelände für den Wohnungsbau genutzt werden. Aktuell hat Bottrop einen Grünanteil von 73 Prozent. Dieser Grünanteil sollte zukünftig auf mehr als 75 Prozent erweitert werden.

Thema Radwege: Es gibt noch immer Verbesserungsbedarf beim Thema Radwegausbau. Was ist der Plan für ein fahrradfreundlicheres Bottrop?

Michael Gerber: Wir brauchen einen Kulturwandel in der Mobilität: Weg vom einseitigen Beharren auf den Autoverkehr. Der Radschnellweg von Gladbeck über Bottrop nach Essen muss schnell realisiert werden. Ehemalige Bahntrassen, auch in Kirchhellen, müssen zu Fahrradtrassen ausgebaut werden. Wir brauchen mehr Fahrradstraßen in Bottrop. Auch Fußgängerzonen sollten für das Fahrrad geöffnet werden.

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