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DKP warnt vor Verharmlosung von Titandioxid in Pflastersteinen
23. Oktober 2020

Die DKP kritisiert die Verharmlosung der gesundheitlichen Gefahren von Titandioxid in Photoment-Pflastersteinen durch Sven Hermens, Ratsmitglied der Linken (WAZ online vom 7.10.2020)

Titandioxid wurde 2012 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CORAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und gegebenenfalls Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Titandioxid waren die Besorgnisse bezüglich anderer gefahrenbezogener Bedenken sowie der vermuteten Gefahren durch krebserregende Eigenschaften und der möglichen Gefahr durch mutagene Eigenschaften des Stoffs. Die Neubewertung läuft seit 2018 und wird von Frankreich durchgeführt. Nachdem Titandioxid bei Tierversuchen zu Entzündungen geführt und Forscher darüber hinaus krebserregende Eigenschaften vermutet hatten, entschloss sich Frankreich 2019, die Verwendung in Lebensmitteln ab 2020 zu verbieten.

Eine mögliche Gesundheitsgefahr wird vor allem im Einatmen von Titandioxidstäuben gesehen, dies war Gegenstand von zahlreichen Diskussionen. Im Oktober 2019 hat die EU-Kommission eine Einstufung und Kennzeichnung von Titandioxid in Pulverform mit mindestens 1 % Partikel mit aerodynamischem Durchmesser unter 10 μm als vermutlich karzinogen für den Menschen durch Einatmen beschlossen. Am 18.02.2020 wurde die vorgeschlagene Einstufung von Titandioxid im Rahmen der 14. ATP (Adaption to technical progress) in der Verordnung (EU) Nr. 2020/217 verabschiedet und ist damit zum 09.09.2021 verbindlich umzusetzen.

Die Eigenschaft von Titandioxid, mittels der Photokatalyse die gesundheitsschädlichen Stickoxide in Nitrat umzuwandeln, ist ein Ergebnis der Nano-Forschung. Bei Nano-Partikeln von Titandioxid ändern sich aber wie oben beschrieben deren Eigenschaften signifikant. Die Nano-Partikel von Titandioxid in Photoment-Pflastersteinen können den Forschungen zufolge durch das Zerschneiden der Steine beim Verlegen oder durch Abrieb in die Luft gelangen und eingeatmet werden. „Es ist grob fahrlässig, wenn Sven Hermens dazu auffordert, die Photoment-Pflastersteine weiter zu verlegen und zu zerschneiden. Die vom Planungs- sowie dem Bauausschuss beschlossene Begutachtung der gesundheitlichen Gefahren durch externe Experten als Geldverschwendung zu bezeichnen, ist angesichts der beschriebenen gesundheitlichen Risiken verantwortungslos“, kritisiert DKP-Ratsmitglied Michael Gerber. Die DKP erwartet von einem Gutachten Auskunft darüber, ob und wie Titandioxid in Nano-Partikelgröße aus Photoment-Pflastersteinen freigesetzt werden kann. Auch sollten Messungen zur Titandioxid-Belastung in Nano-Partikelgröße auf verlegten Flächen mit Photoment-Pflastersteinen durchgeführt werden fordert die DKP.

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