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Veranstaltung zum Jahrestag des Aufstandes gegen den Kapp-Putsch

Vorankündigung

Wer liegt dort begraben, wer waren die Kämpfer gegen den Kapp-Putsch, wer war Loewenfeld?

Dazu die Rede des DKP-Kreisvorsitzenden Jörg Wingold bei der Ehrung im Jahre 2011:

Da manche es vielleicht nicht wissen, eine kurze Erläuterung zu den Örtlichkeiten: Wir befinden uns hier auf dem Westfriedhof. Dort hinten liegt der jüdische Friedhof. Ein Stückchen weiter in diese Richtung findet sich das Ehrenmal der teilweise namenlosen sowjetischen Kriegsgefangenen, die  in Bottrop ermordet worden sind. Dort hinten befinden sich die Gräber zweier Bottroper Antifaschisten, die wegen ihres Widerstands gegen das Hitlerregime am 22.9.1944 in Dortmund hingerichtet wurden.

Nach Franz Kwasigroch und Michael Mast wurde in Bottrop noch keine Straße benannt - in Bottrop-Kirchhellen hingegen gibt es immer noch eine Loewenfeldstraße, benannt nach Vizeadmiral Wilfried von Loewenfeld.

Im März 1920 war es gegen den sogenannten Kapp-Putsch im Ruhrgebiet zum Generalstreik und zur Bildung von bewaffneten Gruppen gekommen, die man auch als Rote Ruhrarmee bezeichnet.

Nach dem Bielefelder Abkommen sollten alle bewaffneten Gruppen ihre Waffen abgeben, was die Bottroper am 2. April 1920 auch taten. Als jedoch bekannt wurde, daß sich ein Freikorps näherte, bewaffneten sich einige Bottroper Arbeiter wieder.

Freikorps, das waren damals bewaffnete ehemalige Reichswehrtruppen, die zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt wurden, die aber auch führend am Kapp-Putsch gegen die sozialdemokratische Regierung beteiligt waren.

Führer des Freikorps, das sich auf Bottrop zu bewegte, war Winfried von Loewenfeld. Nachdem seine Truppen nach heftiger Gegenwehr nicht weiter nach Bottrop vordringen konnten, befahl er die Beschießung Bottrops mit Artillerie, mit der Beschießung einzelner Häuser und der Brechung des Widerstands. Die Loewenfelder selbst hatten 21 Tote. Nach der amtlichen Totenliste wurden von der Brigade Loewenfeld 56 Menschen umgebracht. Wie wir inzwischen wissen, waren es jedoch insgesamt mindestens 77 Opfer.

Der Gedenkstein für die Opfer der Loewenfelder, vor dem wir hier stehen, sah bis zur Herrschaft der Nazis in Bottrop ganz anders aus, er hatte oben drauf eine sogenannte Jakobinermütze und die Inschrift lautete damals: "Wir kämpften für die Freiheit des Proletariats". Auf den Tafeln, die nach dem Ende des Faschismus erneuert wurden, finden wir die Namen der Totenliste.

Wie gesagt: Es gibt in Bottrop auf einem Straßenschild keine Erinnerung an Franz Kwasigroch, 1881 geboren, Bergmann, Betriebsrat auf der Zeche Rheinbaben, neun Monate im KZ, Widerstandskämpfer, 1943 verhaftet und 1944 hingerichtet. Es gibt statt dessen eine Straßenschild für Winfried von Loewenfeld, 1879 geboren, Freikorpsführer, Verantwortlicher für die Beschießung von Bottrop, überzeugter Faschist, zuletzt Vizeadmiral und 1946 friedlich gestorben.

Zwei Lebenswege, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und zwei unterschiedliche Erinnerungen.

Ich habe im letzten Jahr noch ein Schreiben an jedes einzelne Mitglied der Bezirksvertretung Kirchhellen gerichtet, in dem es heißt:

„Ich gehe davon aus, dass unbestritten ist:

  1. 1.      Die „Brigade Loewenfeld“ hat in Bottrop beim Angriff auf die Stadt scheußliche Verbrechen begangen, das ist in Archiven nachgewiesen.
  2. 2.      Auch Kirchhellener Bürger fielen der „Brigade Loewenfeld“ zum Opfer, das haben neuere Forschungen ergeben.
  3. 3.      Historisch gesehen waren die meisten „Freikorps“, zu denen auch die „Brigade Loewenfeld“ zählte, Vorläufer der Nazis. Mindestens ein Teil der Söldner der „Brigade Loewenfeld“ trug bereits das Hakenkreuz am Helm, sie äußerten sich antisemitisch und antidemokratisch. Mitglieder von Freikorps machten bei den Nazis schnell Karriere. Entsprechendes ist Dokumenten zu entnehmen, die sich im Stadtarchiv befinden und ist in Personenbiographien recherchierbar.
  4. 4.      Winfried von Loewenfeld selbst bezeichnete sich mit seinem Freikorps als in faschistischer Tradition stehend – so geschehen im Werk „Deutsche Soldaten – Vom Frontheer und Freikorps über die Reichswehr zur neuen Wehrmacht“ von 1935. Sein Aufsatz in diesem Jubelbuch ist der einzige überhaupt überlieferte des Herrn von Loewenfeld!

So gesehen ist die Frage der Umbenennung der Straße nicht nur Angelegenheit Ihrer Bezirksvertretung:

-          Die Mehrheit des Rates der Stadt hat Sie dazu aufgefordert.

-          Bereits die letzten öffentlich bekanntgewordenen Treffen der „Loewenfelder“ in Kirchhellen in den 60er-Jahren haben Proteste ausgelöst.

-          Da die Loewenfeldstraße in Kirchhellen eine der letzten Straßen in Deutschland ist, die noch den Namen eines Nazis trägt, wird Ihre Entscheidung über Kirchhellen und Bottrop hinaus zur Kenntnis genommen und Reaktionen hervorrufen: Positive seitens der Kritiker, negative seitens der Ewiggestrigen, die in Loewenfeld und den Mitgliedern seiner Brigade immer noch Helden sehen.“

Wir sind heute hier, weil wir im Gegensatz zur Mehrheit der Bezirksvertretung Kirchhellen nicht vergessen, verdrängen oder gar entschuldigen, was die Loewenfelder als Vorläufer der Faschisten angerichtet haben.

Die Opfer des Freikorps Loewenfeld kämpften und starben für Frieden, Fortschritt und eine glückliche Zukunft - so lautet heute die Inschrift vor dem Gedenkstein.

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